Texte kürzen

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Ein perfekter Text enthält nichts Überflüssiges. Jedes Wort erfüllt eine Aufgabe. Es trägt zur Unterhaltung bei, weckt Emotion oder vermittelt Information. Auf Anhieb schreibt solche Texte fast niemand. Der Autor dieses Beitrags ist keine Ausnahme. Nahezu jede Erstversion eines Textes enthält Überflüssiges. Kürzen macht den Text kompakter. Er verliert Wörter und gewinnt an Substanz. Die folgenden Regeln helfen dabei, Texte sinnvoll zu kürzen. Ohne Ausnahme gelten sie aber nicht. Deshalb ist die letzte die wichtigste Regel.

Ein Beitrag von Ansgar – Texter und Genießer

Füllwörter raus! Oft. Nicht immer.

Im Internet existieren viele Listen mit Füllwörtern, die man meiden sollte. Solche Listen sind lang und nie exakt gleich. Auf vielen Listen stehen Wörter wie „anscheinend“, „bestimmt“, „einmal“, „folgendermaßen“, „letztendlich“, „regelrecht“, „sozusagen“ „unbedingt“, „wohl“, „ziemlich“, um nur wenige Beispiele zu nennen.

Tatsächlich gewinnen SEO-Texte, Werbetexte und andere Textarten oft, wenn man Füllwörter aus ihren Sätzen herausstreicht. Bisweilen sind sie jedoch sinnvoll. Dann gibt das Füllwort einem Satz eine etwas andere Bedeutung oder es trägt dazu bei, dass er einen bestimmten Rhythmus erhält, dass der Satz gut klingt, nicht wie künstliche, sondern wie natürliche Sprache.

Funktionsverbgefüge? Kann (oft) weg.

Bereits das Wort „Funktionsverbgefüge“ klingt wie das berühmt-berüchtigte Amtsdeutsch? Amtsdeutsch ist aufgeblähte Sprache. Niemand sollte Texte kaufen, die aufgeblähte Sprache enthalten.

Aufgebläht wirkt neben dem Wort „Funktionsverbgefüge“ das, was es beschreibt. Gemeint sind Verbindungen von Verb und Nomen, bei dem das Nomen den wesentlichen Teil der Bedeutung übernimmt. Ein Beispiel für ein „Funktionsverbgefüge“ ist „eine Bestellung aufgeben“. Das kürzere Wort „bestellen“ erfüllt fast immer denselben Zweck und ist besser. Es gibt viele weitere Beispiele:

  • eine Aussage treffen: aussagen
  • eine Note vergeben: benoten,
  • zur Anzeige bringen: anzeigen,
  • Text erstellen: schreiben,
  • in Betracht ziehen: überlegen,
  • in Frage stellen: bezweifeln.

Was für viele „Funktionsverbgefüge“ gilt, gilt auch in anderen Fällen. Viele Phrasen lassen sich oft durch etwas kürzeres ersetzen. Statt „eine Vielzahl von“ ist oft „viele“ besser, statt „im Rahmen von Aktionen“ „bei Aktionen“.

Wer braucht diese Satzanfänge?

„Man kann feststellen, dass die Temperaturen im Sommer heute wärmer als noch vor einigen Jahrzehnten sind.“ Ist es wirklich wichtig, dass man das feststellen kann? Oder reicht die Aussage, dass es so ist? Dann ist folgender Satz kürzer und besser: „Die Temperaturen im Sommer sind heute wärmer als noch vor einigen Jahrzehnten.“

Satzanfänge mit Modalverben wie „können“, denen ein mit „dass“ eingeleiteter Nebensatz folgt, sind oft überflüssig. „Man muss davon ausgehen, dass es morgen regnet.“ Ist „Wahrscheinlich regnet es morgen.“ nicht besser? Nicht immer. Aber oft.

Manchmal müssen ganze Sätze raus!

„In XYZ können Sie einen herrlichen Urlaub verbringen. Viele Urlauber lieben den Ort und kommen gern hierhin. Wenn Sie XYZ kennenlernen, werden auch Sie begeistert sein.“ Was sagen diese Sätze über den Urlaubsort XYZ aus? Nicht viel, oder? Sie reihen belanglose Behauptungen aneinander, liefert keine Fakten und wecken keine Emotionen.

„Viele Urlauber lieben den Ort und kommen gern hierhin.“ So etwas kann man über hunderte, wahrscheinlich tausende Urlaubsorte sagen. Das Wort „viele“ ist ungenau und zwischen „lieben“ und „lieben“ bestehen bisweilen große Unterschiede. Das bedeutet: Die Aussagekraft des Satzes ist gering. Werbewirksam ist er ebenfalls nicht. Er liefert keine Begründung dafür, warum man sich für diesen und keinen anderen Urlaubsort entscheiden sollte. Der Satz kann weg.

Anders wäre es, wenn man die Aussage „Der Ort ist beliebt“ mit Fakten untermauern könnte. „Leser des Magazins ABC wählten XZZ zum beliebtesten Urlaubsort in der Toskana.“ Das ist eine Aussage, die den Ort von allen anderen abhebt. Ein anderes Beispiel: „In diesem Schrank können Sie viele Sachen verstauen. Hier ist Platz für Ihre Hosen, Jacken und Pullover. Durch den schönen Schrank sieht Ihr Schlafzimmer schnell aufgeräumt aus.“

Wäre ein Schrank etwas völlig Neues, hätte die Aussage „Man kann viele Sachen verstauen“ eventuell einen Sinn. Aber jeder weiß, dass man in Schränken Sachen verstaut und „viele“ ist wiederum (< = Füllwort) unspezifisch. Ist er der größte Schrank im Sortiment? Das wäre eine sinnvolle Aussage in einem Produkttext über einen Schrank.

Vier Augen sehen mehr als zwei.

Niemand ist vollkommen. Als Texter kann man Perfektion anstreben, wird sie aber nie erreichen. Das sollte einem stets bewusst sein. Nur dann bleibt man lebenslang Lernender. Zugleich gilt: Die meisten Regeln gelten nicht ausnahmslos. Anhand der Füllwörter wurde das bereits angesprochen.

Auch die meisten Funktionsverbgefüge sind überflüssig, aber nicht jedes lässt sich ohne Substanzverlust ersetzen. „Eine Rede halten“ lässt sich immer durch „reden“ ersetzen. Aber es ist nicht immer die bessere Wahl. Geht es um eine feierliche Rede, wird die Aussage „Sie hielt eine Rede vor der Hochzeitsgesellschaft“ dem vielleicht eher gerecht als der Satz „Sie redete vor der Hochzeitsgesellschaft“. Man kann streiten, ob dem so ist.

Erfahrene Copywriter entwickeln ein Gespür für Sprache. Sie erkennen oft, wo sich Texte sinnvoll kürzen lassen. Wer glaubt, es immer zu erkennen, täuscht sich meistens selbst. Deshalb arbeitet eine gute Content-Agentur bei Texten immer mit dem Vier-Augen-Prinzip. Die einen schreiben den Text, die anderen redigieren ihn. Texter sind bei ihren eigenen Texten bisweilen betriebsblind. Sie sehen aufgeblähte Sprache, die sie in fremden Texten erkennen, nicht. Ein gutes Lektorat hilft in solchen Fällen.